Bernstein
Bernstein ist umgangssprachlich ein klarer bis undurchsichtiger gelber Schmuckstein aus fossilem Baumharz. Die geologischen Fachbegriffe sind weitaus differenzierter. Die Bezeichnung stammt vom mittelniederdeutschen Wort börnsteen (=Brennstein) ab und deutet auf die Brennbarkeit des Materials hin.
Die Entstehung des heute gefundenen Bernstein liegt zum Teil über 400 Millionen Jahre zurück. Obwohl es weltweit Vorkommen gibt, stammen 99% des derzeit verarbeiteten Bernsteins aus dem Ostseeraum. Die Basis des sogenannten Baltischen Bernsteins ist gelbes Baumharz, dessen Farbe aber je nach Menge der eingeschlossenen Luftbläschen variieren kann. Diese wiederum hängt von der damaligen Fließgeschwindigkeit des Harzes ab. Bernstein ist kein Stein im mineralischen Sinne, wird aber aufgrund der Verarbeitungsmöglichkeiten zu den Schmucksteinen gezählt.
Man unterscheidet Rohbernsteine, lediglich polierte Naturbernsteine und Schmuckbernstein. Letzterer wird mit Öl klargekocht, wobei eingeschlossene biologische Reste und Wasser ausgeschwemmt werden. In Souvenirläden findet sich oft der irreführend bezeichnete Echtbernstein. Damit ist jedoch Pressbernstein gemeint, also lediglich zusammengepresste Bernsteinsplitter und -reste.
Kunsthistorisch betrachtet ist Bernstein im europäischen Raum eines der ältesten und am beständigsten verwendeten Schmuckmaterialien. Amulette und Grabbeigaben finden sich bereits in der Jungsteinzeit. In der Antike wurden Halsketten und Anhänger daraus gefertigt. Im Mittelalter waren Rosenkranz-Gebetsketten oft aus Bernstein und der Stoff wurde zudem zu einem immer wichtigeren Handelsgut. Das Bernsteinmonopol sicherte dem Deutschen Orden im 13. Jahrhundert seinen Reichtum. Bis in die Neuzeit hinein wurde Bernstein für Zier- und Gebrauchsgegenstände verwendet und zunehmend auch im engeren künstlerischen Sinne für Wandschmuck oder architektonische Elemente.
Das vom preußischen König Friedrich I. im 18. Jahrhundert beauftragte Bernsteinzimmer ist wohl das bekannteste Kunstwerk in diesem Zusammenhang. Es gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen, kann aber als Nachbildung im Katharinenpalast nahe St. Petersburg besichtigt werden.
Bernstein eignet sich aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften gut als Kunst-Werkstoff. Er ist sehr weich und bereits ab 170 Grad formbar. Bernstein kann ohne viel technischen Aufwand gefeilt, geschliffen, aufgebohrt oder gesägt werden und findet heute neben klassischen Schmuckwaren oft Verwendung im esoterischen Bereich, wo ihm immer noch mystische Kraft zugesprochen wird wie in der Zeit bevor man wußte, daß er natürlichen Ursprungs ist.
