Zurück zum Lexikon

Dada

Dada oder auch Dadaismus war eine künstlerische Bewegung, die im Jahre 1916 in Zürich mit der Emigranten-Bühne des Cabaret Voltaire ihren Anfang nahm und deren Auswirkungen bis in die zeitgenössische Kunst spürbar sind. Im Kern war Dada eine Revolte von emigrierten europäischen Künstlern gegen die unkritische und konformistische Kunst, die auch in Zeiten großer Not (Erster Weltkrieg) an ihren idealisierenden Konzepten festhielt und in keiner Weise die erschreckende Realität abbildete oder auch nur thematisierte. Über die Wortherkunft herrscht Uneinigkeit. Unbestritten aber ist, dass die frühen Vertreter der Bewegung bewusst einen banalen Namen wählten und auch stets den Begriff „Dadaismus“ ablehnten, da sie Dada eben nicht als feste Ordnung oder gar Ideologie verstanden, sondern sich eben genau dagegen auflehnten. Der Terminus Dadaismus ist eher von interpretierenden Kunsthistorikern späterer Zeit etabliert worden. Der Dadaist verstand sich selbst als Künstler, dem das Produkt seiner Kunst nebensächlich ist, der aber dennoch nach einem ironischen oder gar sarkastischen Sinn im scheinbaren Unsinn sucht.

Der Dadaismus breitete sich sowohl örtlich aus auch kunstformübergreifend enorm schnell aus, da viele Künstler unter dem Eindruck von Krieg und Emigration ihrem Protest gegen die kritiklose traditionelle Kunst neuen Ausdruck verleihen wollten. Erfolgreich persiflierten sie die obrigkeitshörige bürgerliche Kunst und traten für den Pazifismus als Gegenkraft gegen den im Krieg überbordenden Nationalismus ein. Auch in den USA fand Dada einige Anhänger, konnte sich aber aufgrund der europäischen Wurzeln nie recht durchsetzen. Seinen extremsten Ausdruck fand Dada in Berlin, der Hauptstadt des kriegführenden deutschen Kaiserreichs. Trotz der mehr als angespannten Situation erlaubten sich die führenden deutschen Dadaisten offene Kritik am Kaiser, an deutschen Politikern und am Bellizismus des Reichs. Weitere Zentren des Dada waren Paris, Köln und Hannover.

Inhaltlich wollte der Dadaismus möglichst undefinierbar sein, um eben genau nicht in Schemata gepresst werden zu können. Entsprechend willkürlich und zufällig wirken auch die Werke der prägendsten Dadaisten wie Hans Arp, John Heartfield, George Grosz oder Raoul Hausmann. Eine der bekanntesten Innovationen des Dada ist das Lautgedicht. Hugo Ball, einer der Begründer des Züricher Cabaret Voltaire, wollte damit das Wort von seinen journalistischen Fesseln befreien und gleichzeitig das Publikum durch Provokation wachrütteln. In Berlin nutzte man derweil oft die Fotomontage als Ausdrucksform - paradoxerweise von militärischen Propagandafotos adaptiert.

Trotz der Ablehnung des Dada gegenüber fest umrissenen Strömungen gingen manche Künstler dennoch eine fruchtbare Verbindung mit den Ausdrucksformen des Surrealismus und des Kubismus ein. Kunsthistorisch betrachtet gilt der Dadaismus als eine der radikalsten Einschnitte der Kunstgeschichte. Die neuartigen Techniken in den verschiedensten Kunstformen sowie die inhaltlichen Tabubrüche beeinflussten die kommenden Stile teils erheblich. Eine letzte Ironie des Dada ist der Fakt, dass die großen Vertreter der Bewegung nun auch ihren Platz in den Museen haben und dort neben jenen etablierten Künstlern hängen, gegen die sie einst aufbegehrten.

Zurück zum Lexikon