Farben
Farbe ist zunächst einmal ein visueller Sinneseindruck, dessen Bedeutung weit über die reine Abgrenzung von strukturlosen Bereichen des Sichtfeldes hinausgeht. Die optische Farbwahrnehmung durch das Auge ist beim Menschen physiologisch beschränkt und kann durch naturwissenschaftliche Parameter bestimmt werden. Die psychische Wirkung hingegen ist äußerst komplex und hängt auch stark vom Kulturkreis des Betrachters ab. So haben in vielen Kulturen bestimmte Farben bestimmte Wirkungen, die sich anthropologisch und historisch erklären lassen. Rot ist etwa in den meisten Kulturkreisen die Farbe von Leidenschaft. Das gilt sowohl im positiven Sinne (Liebe) als auch im negativen (Zorn). Letztere Assoziation führte im Übrigen auch zur Zuordnung des roten Planeten zum Kriegsgott Mars in der römischen Antike. Die von der Farbe eines Objekts hervorgerufenen Assoziationen und Gefühle werden beispielsweise in der Mode- und Werbebranche genutzt, spielen aber auch in der Kunst eine entscheidende Rolle. Das geläufigste Beispiel hierfür ist die gefühlsbegründete Unterscheidung in warme und kalte Farben.
In der Kunst spielen die Farben für ein Kunstwerk eine große Rolle in der intendierten Wirkkraft auf den Betrachter. Besonders in der Malerei ist das Kolorit eines Werkes, also der farbliche Gesamteindruck aus Farbauswahl, Harmonie und Schattierung, ein wichtiges gestalterisches Element. Entsprechend beschäftigten sich die Menschen bereits seit der Antike mit der Farbenlehre im wissenschaftlichen und ästhetisch-künstlerischen Sinne. Schon Demokrit stellte in seinen Überlegungen zu den Atomen die Tatsächlichkeit der Farben in Frage. Einen großen Effekt auf Farben als Mittel zur Auslösung subjektiver Empfindungen hat hierzulande Johann Wolfgang von Goethes „Farbenlehre“ gehabt, die kulturhistorisch als Ausgangspunkt der modernen Farbpsychologie gesehen wird. Entgegen der strengen naturwissenschaftlichen Erfassung von Farben sind moderne Farbenlehren in der Kunst subjektiver und ästhetischer.
Farben im materiellen Sinne heißen Farbmittel. Diese wiederum unterteilen sich in unlösliche Pigmente, wie sie meist für Dispersionsfarben, Lacke und Druckfarben genutzt werden und lösliche Farbstoffe, wie sie für Textilfärbung oder in Tinten zur Anwendung kommen. Alternativ lassen sich Farbmittel auch nach ihrer Herkunft in synthetische und natürliche Farben unterteilen. Neben den rein farbgebenden Farbmitteln gibt es Sonderformen wie fluoreszierende Farben (Reaktion auf UV-Licht), Indikatorfarben (Reaktion auf Säuren und Basen) sowie jene, die auf Druck (Halochrome), Temperatur (Thermochrome) oder Lichteinfluss (Photochrome) reagieren.
