Farblehre
Die Farbenlehre beschäftigt sich ganzheitlich mit dem visuellen Phänomen Farbe. Dazu gehören die Entstehung des Farbreizes, die Ordnung der Farben und die Gesetze der Farbmischung, die Farbvalenzmetrik, die psychologische Wirkung von Farben und ihre historische Darstellung, nicht aber die Einteilung und naturwissenschaftliche Ordnung der Farbmittel. Die Farbenlehre ist ein interdisziplinäres Feld, dessen moderne Ansätze versuchen, physikalische und physiologische Erkenntnisse mit denen der Psychologie und Kunsttheorie zu verknüpfen.
Man könnte zwischen den eher künstlerisch-ästhetischen Ansätzen der Farbenlehre und den eher technisch-naturwissenschaftlichen Herangehensweisen unterscheiden, die sich jedoch zwangsweise immer wieder überschnitten und ergänzten. Die Vertreter des ersten Ansatzes wie Leonardo da Vinci, Johann Wolfgang von Goethe, Adolf Hölzel oder Georges Seurat nahmen das menschliche Sehen als Ausgangspunkt für ihre Betrachtungen und waren dementsprechend subjektiv und in der Kunst und Psychologie verhaftet. Besonders ab dem 19. Jahrhundert spielten Farben jedoch auch für die Industrie eine größere Rolle, so daß die Farbmetrik und die ihr folgenden Systematiken sich eher aus der Optik und Biologie speisten. Stellvertretend seien hier A. H. Munsell, Johannes Itten und Wilhelm Ostwald als Vertreter genannt. Heute sind die Nachfolger dieser Berechnungen besonders in den Farbsystemen der Computertechnik von Bedeutung.
Das bekannteste Produkt der Farbenlehre ist der Farbenkreis, der über die Jahrhunderte die verschiedenen Erkenntnisse der Farblehrenforschungen symbolisierte. In verschiedenen Spezifizierungen stehen sich im Farbkreis die Ausprägungen der Grundfarben diametral gegenüber und illustrieren so die technische Normierbarkeit, aber auch die farbpsychologischen Wirkungsrichtungen der einzelnen Farben (etwa bei der Gegenüberstellung von warmen und kalten Farben).
