Zurück zum Lexikon

Glasmalerei

Unter dem Begriff Glasmalerei versteht man überwiegend die künstlerische Bemalung von zweidimensionalen Fensterscheiben, in geringerem Maße aber auch die Bemalung von Hohlgefäßen aus Glas. Aufgrund der hohen Farbleuchtkraft und der Effekte in Verbindung mit Lichtquellen nimmt die Glasmalerei unter den Malarten eine besondere Stellung ein und wurde wegen ihrer mystischen Wirkung vorwiegend als Bestandteil sakraler Architektur verwendet.

Prinzipiell werden zwei unterschiedliche Techniken in der Glasmalerei angewandt. Entweder wird die Zeichnung auf farbiges Glas mit Hilfe von Schwarzlot aufgetragen oder auf farblos transparentes Glas unter Verwendung von speziellen Glasmalfarben, die anschließend in einem Ofen eingebrannt werden. Besonders bei Außenfenstern wird noch eine schützende unbemalte Glasschicht eingefügt. Es kann sowohl mundgeblasenes wie auch maschinell gefertigtes Glas verwendet werden. Zum Auftragen der Zeichnung benötigt man zunächst einen Läufer, mit dem man die Farben mit etwas Gummi arabicum und Wasser mischt, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Diese wird dann mit Pinseln, Federn oder Kielen aufgetragen und bearbeitet, um die gewünschten Dichten, Konturen oder Effekte zu erreichen.

Bemalte Glasfenster gibt es wahrscheinlich schon seit etwa 2000 Jahren. Aufgrund der Brüchigkeit des Materials ist eine archäologische Überlieferung jedoch selten. Einige Fenster aus der Hagia Sophia aus dem Konstantinopel des 6. Jahrhunderts gehören zu den ältesten Fundstücken. Seit dem 8. Jahrhundert sind Fenster mit Schwarzlot bekannt, also einer Mischung aus zerstoßenem Glas und Kupfer oder Eisenoxid, das zum Bemalen verwendet wurde. Bis zum Spätmittelalter war die Glasmalerei ein fester Bestandteil sakraler Architektur und viele der großen Fenster in den bekannten europäischen Kirchen und Kathedralen wurden auf diese Weise gestaltet. Die Gotik gilt als Blütezeit der Fenstermalerei. Aus dieser Zeit stammen einige der bekanntesten christlichen Werke, zu finden etwa im Kölner Dom oder im Pariser Notre Dame. Parallel erfuhr diese Kunstform auch im profanen Bereich Anerkennung. Zahlreiche Adlige oder sonstige Begüterte statteten ihre Herrschaftssitze und Wohnhäuser mit verschiedensten weltlichen Glasmalereien aus. Nach einem Einbruch in der Glasherstellung durch den Dreißigjährigen Krieg erlebte die Glasmalerei erst im 19. Und frühen 20. Jahrhundert eine Wiederbelebung. Kurioserweise spielte dabei auch der Bedarf an neuen Fenstern nach den Zerstörungen der Weltkriege eine Rolle. Zu den bekanntesten Glasmalern des 20. Jahrhunderts unter anderen Georges Braque, Marc Chagall, Eugène Delacroix, Henri Matisse, Georges Rouault, Hans Gottfried von Stockhausen und Josef Oberberger. Heute spielt die Glasmalerei in der Laienkunst eine gewisse Rolle, vor allem bei der Bemalung von Glasgegenständen. Doch auch bei Restaurationen findet sich immer wieder der Rückgriff auf die Wiederherstellung alter Glasmalereien.

Zurück zum Lexikon