Kalk
Kalk ist chemisch betrachtet Calciumcarbonat, also eine Verbindung aus Calcium, Kohlenstoff und Sauerstoff. Es ist eine der häufigsten Verbindungen auf der Erde und kommt in zahlreichen Gesteinen, aber auch in den Außenskeletten mancher Tiere vor (Korallen, Muscheln, Krebse). Die Gesteinsformen unterscheiden sich in den physikalischen Eigenschaften stark voneinander, abhängig vom Alter und den Druckverhältnissen. Kreide ist etwa ein mikrokristallines und damit sehr feines Gestein. Marmor wiederum ist viel härter und grober und entsteht erst unter hohem Druck durch Umkristallisation. Am häufigsten kommt jedoch Kalkstein vor. Dieser gehört zu den wichtigsten Bau- und Industriestoffen und wird weltweit in sehr großen Mengen abgebaut und verbraucht. Einer der größten Abnehmer für Kalksteinprodukte ist die Papierindustrie, doch auch zur Zementherstellung und für Branntkalk werden viele Millionen Tonnen pro Jahr verwertet. Kalkstein ist meist hellgrau bis grau-gelb, weist aber je nach Beimengungen auch andere Farbtöne auf.
In der Kunst kommt Kalk vorrangig als Bindemittel in der Fresko- und Kalkmalerei zum Einsatz. Dazu wird Kalkstein gebrannt und unter Zugabe von Wasser und Kohlendioxid wieder abgelöscht. Die in Wasser oder einer Kalkmilch gelösten Farbpigmente werden auf den frischen Putz einer Wand oder Decke aufgetragen und beim Carbonatisieren des Kalkes fest eingebunden. Dieser Vorgang wird auch Einsinterung genannt. Generell ist diese Maltechnik aufwändiger und komplizierter als die Trockenmalerei, doch im Ergebnis weitaus beständiger, da die Malereien teils Jahrtausende überdauern. Das Grundprinzip der Bemalung kalkhaltiger Wände und Maluntergründe wird bereits für die antiken Hochkulturen des Mittelmeerraumes angenommen. Aus ägyptischen, minoischen und auch etruskischen Quellen geht hervor, dass Farbe im Rahmen von Wandmalereien auf dünne Kalkschichten aufgetragen wurde. Ähnliche Anwendungen sind auch für den asiatischen Raum nachvollziehbar, nur malte man hier vornehmlich auf Lehm. Echte Fresken sind in größerem Maße aus dem antiken römischen Reich überliefert, etwa aus Pompeji oder Herculaneum.
Im Mittelalter war die Kalkmalerei die am weitesten verbreitete Form der Wandmalerei. Kalkstein wurde in größerem Maße in Mitteleuropa schon seit dem Mittelalter abgebaut. Im brandenburgischen Rüdersdorf geht der heute noch andauernde Abbau bereits auf die Zisterziensermönche des 13. Jahrhunderts zurück. Entsprechend früh kam Kalk auch in der Kunst zur Anwendung. Dabei brachte es die Freskenmalerei, also im engeren Sinne der direkte Auftrag von in Wasser gelösten Farbpigmenten auf frischen Putz, zur größten Berühmtheit während der Renaissance wegen der legendären Fresken in der Sixtinischen Kapelle sowie im Barock. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die klassische Kalkmalerei von der Kaseinkalkmalerei abgelöst.
