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Keramik

Als Keramik (vom altgriechischen „keramos“ für das Tonmaterial und seine Erzeugnisse) bezeichnet man eine Vielzahl nicht-metallischer anorganischer Stoffe, vor allem aber die Werkstoffe und auch die Produkte eines spezifischen Herstellungsvorgangs, bei dem aus anorganischen, feinkörnigen Rohstoffen und Wasser Gegenstände geformt, getrocknet und dann bei hohen Temperaturen gebrannt werden. Die Klassifizierung von keramischen Massen ist dabei schwierig, da die Ausgangsstoffe vielfältig sind und die physikalischen Bedingungen der Herstellung (wie Brenntemperatur, Zusatzstoffe usw.) variieren. Die wichtigsten Rohstoffe für Keramik sind Tonminerale, Silicate, Kaoline und Quarze, aber auch teils synthetische Oxide und Nicht-Oxide. Vor allem im Einsatzgebiet der technischen Keramik haben sich künstlich hergestellte Keramikgrundstoffe durchgesetzt.

Natürliche Tonminerale sind die einzigen Minerale, die durch Zugabe von Wasser plastisch geformt werden können. Die Scheibchenform ihrer Kristalle ermöglicht einen Einschluss von Wasserteilchen, die selbst bei Temperaturen bis 500 Grad Celsius noch formbar bleiben. Bei noch höheren Temperaturen verkitten die Pulverteilchen und es bilden sich Schmelzen. Das Material härtet aus und wird fest und brüchig.

Die Fähigkeit des Menschen, keramische Materialien zu formen und zu brennen, lässt sich im ostasiatischen Raum bis ca. 12.000 v. Chr. Nachweisen. Im Vorderen Orient fand man Tongefäße aus der Zeit um 7000 v. Chr., die allerdings noch ungebrannt waren. In den folgenden Jahrtausenden entwickelte sich die Töpferkunst jedoch vor allem in Mesopotamien weiter. Die Töpferscheibe wurde erfunden und Gefäße wurden bei hohen Temperaturen gebrannt und kunstvoll verziert. Eine erste Hochphase als Kunstobjekt erlebte die Keramik in der altgriechischen Antike. Die meist schwarz, rot oder weiß bemalten Vasen aus der griechischen Klassik galten in Europa als Ausdruck der griechischen Hochkultur. Im römischen Imperium wurde die Töpferkunst technisch weiterentwickelt und die größten Manufakturen erreichten einen Ausstoß von Zehntausenden Gefäßen pro Jahr. Im europäischen Mittelalter verlor die Keramik ihren Stellenwert als Kunstform. Die Anwendung beschränkte sich auf Nutzgegenstände und mit Ausnahme der Fayence (Bleiglasurkeramik) kam die technische Fortentwicklung kaum über den altrömischen Stand hinaus.

Eine erneute Hochkonjunktur erlebte die Keramik mit der Erfindung des Hartporzellans in Dresden 1708. Das war der Beginn der synthetischen Keramik, die nicht mehr von der Tonqualität der hiesigen Vorkommen abhängig war und sich in Europa rasant verbreitete. Die hierzulande wohl bekannteste Marke auf diesem Gebiet ist die heute noch tätige Porzellanmanufaktur Meißen, die bereits 1710 ihren Betrieb aufnahm. Im industriellen Zeitalter ermöglichten es die neuen Maschinen und Hochöfen, die Entwicklung von Keramik und Porzellan weiter voranzutreiben. Unter dem Eindruck der englischen Arts and Crafts Bewegung besann sich das Kunsthandwerk im 19. Jahrhundert dann aber wieder zurück auf traditionelle Herstellungsformen. Werkstätten in ganz Europa schufen Jugendstilkeramik oder Keramiken nach asiatischem Vorbild. Die zeitgenössische Keramik schließlich wurde unter anderem von Hedwig Bollmann in Dessau, Wilfriede Maass in Berlin und die Werkstatt Hohlt bei Wasserburg sowie die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein bei Halle geprägt. Nicht zuletzt ist die Töpferkunst eine beliebte Möglichkeit für interessierte Laien, selbst auf einfache Weise künstlerisch tätig zu werden.

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