Leinöl
Leinöl ist ein trockenes Öl mit vielfältigen Weiterverarbeitungsmöglichkeiten, das aus Leinsamen, den reifen Samen von Flachs gepresst wird. Die häufige und seit Jahrhunderten nachgewiesene Verwendung von Leinöl basiert auf der Eigenschaft der Austrocknung durch den hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Ein Nachteil des Stoffes ist die Neigung zur Selbstentzündung durch Autooxidation bei Raumtemperatur. Unsachgemäße oder unvorsichtige Handhabung führen deshalb nicht selten zu Bränden in Malerwerkstätten und Ateliers.
Leinöl findet als Nahrungsmittel sowie in der Kosmetik Verwendung. Außerdem ist es ein natürliches Holzschutzmittel und wurde im Mittelalter als Korrosionsschutz für Rüstungen und Waffen verwendet. In der Malerei war Leinöl bereits im 8. Jahrhundert das wichtigste Bindemittel für Ölfarben. Heutige Leinölfarben werden mit verschiedenen Zusatzstoffen angereichert, um bestimmte Eigenschaften wie Verdickung, Wasserlöslichkeit oder Trocknungsbeschleunigung zu erreichen. Da Ölfarben beim Trocknen an Volumen zunehmen, ist die richtige Dosierung des Bindemittels wichtig, sonst kommt es zu den charakteristischen Rissen oder Runzeln. Deshalb wird der Bindemittelbedarf eines Pigments durch die genormte Ölzahl ausgedrückt. Die Ölzahl gibt an, wieviel Gramm Leinöl benötigt werden, um 100 Gramm eines Pigments bis zur geeigneten Dicke anzuteigen.
