Lithografie
Die Lithografie ist das älteste Flachdruckverfahren zur Herstellung farbiger Drucksachen. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Worten „lithos“ (=Stein) und „grafein“ (=schreiben) zusammen und ist auf die ursprüngliche Verwendung von Kalkstein als Material für die Druckplatten zurückzuführen. Später wurden statt der unhandlichen und vor allem teuren Kalksteine gekörnte Zink- oder Aluminiumplatten verwendet.
Bei der ursprünglichen Lithografie wird das zu druckende Motiv mit einer fetthaltigen Kreide oder Tusche auf die Druckplatte gemalt. Nach dem Ablöschen mit einer Scheidewasserlösung und einem Überzug mit einer mineralsauren Gummilösung kann die Druckplatte über Walzen befeuchtet und eingefärbt werden. Da der Kalkstein das Fett der Zeichnung gut aufnimmt, haftet die Walzenfarbe nur auf dem Bild, jedoch nicht auf der befeuchteten bildfreien Fläche. Der große Vorteil dieses Verfahrens ist die geringe Abnutzung der Platte. Im Prinzip kann eine einzige Druckplatte fast unbegrenzt Abzüge produzieren.
Das Verfahren wurde um 1796 vom deutsch-österreichischen Theaterschriftsteller Alois Senefelder entwickelt. Er fand damals keinen Verlag für seine Manuskripte und wollte sie selbst drucken. Nach jahrelangem Experimentieren entdeckte er schließlich die gegenseitige Abstoßung von Wasser und Fett sowie die guten Aufnahmeeigenschaften des Kalksteins und feilte auch in den folgenden Jahrzehnten weiter an seiner neu geschaffenen Drucktechnik. Die Lithografie wurde sehr schnell zu einem etablierten Verfahren für die schnelle und massenhafte Vervielfältigung von Texten, Zeichnungen und den frühen Fotografien. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die aufwändige, aber im Ergebnis sehr sehenswerte Farblithografie, die vor allem von der Werbeindustrie für Plakate und Verpackungen genutzt wurde. Dabei wurden in Dutzenden nacheinander folgenden Druckgängen verschiedene Farben nacheinander auf dasselbe Blatt gedruckt, beginnend mit der hellsten Farbe. Die Lithografie war 150 Jahre lang die bedeutendste Drucktechnik in Europa und wurde erst in den 1950er Jahren von moderneren Druckverfahren abgelöst.
Die Lithografie hatte in der künstlerischen Anwendung eine hohe Bedeutung. Die Technik erlaubte es den Künstlern, ihre Motive ohne aufwändige chemische Verfahren oder handwerklich anspruchsvolle Arbeit zu gestalten und gleichzeitig waren immer auch eine einfache Vervielfältigung und damit mögliche hohe Erlöse möglich. Francisco de Goya, aber auch eine Reihe von französischen Künstlern wie Eugéne Delacroix lithografierten oft und gern mit Kreide, die nach dem Auftrag noch mit einem Schaber bearbeitet wurde. Im Impressionismus wurde die Lithografie von namhaften Künstlern wie Paul Cézanne und Edvard Munch für manche ihrer Arbeiten angewendet. Ein besonders begeisterter Lithograf war Pablo Picasso, den sowohl die vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten faszinierten, gleichzeitig aber auch die Aussicht, selbst spontan gezeichnete Werke beliebig zu drucken.
