Stuck
Unter Stuck versteht man die gestalterische Dekoration von Wänden, Decken und Gewölben durch die plastische Ausformung des Baumörtels oder Gipsputzes. Der Begriff stammt vom italienischen Wort „stucco“ (für „Stück“, aber eben auch „Putz“) und ist seit der Antike ein beliebtes Mittel zur Verschönerung von Innenräumen und Fassaden.
Stuck gab es bereits bei den frühen Hochkulturen Mesopotamiens sowie in Ägypten. In Griechenland wurde mit Glanzstuck teurer Marmor imitiert und vor allem Deckenstuck war in begüterten Häusern üblich. Der Hellenismus trug Stuck schließlich auch in den Orient, wo sich später der Ornamentstuck der islamisch geprägten Länder entwickelte. Parallel zur Entwicklung in Europa und Vorderasien ist eine stuckähnliche Kunsttechnik auch aus Mesoamerika bekannt. Während des hiesigen Mittelalters verlor Stuck erheblich an Bedeutung, wurde aber in der Renaissance wiederentdeckt und vorrangig in Komposition mit Wand- und Deckengemälden zur Ausschmückung von Kirchen und Palästen benutzt. Vor allem italienische Stuckateure brachten es hier zu beachtlichen Werken. Doch auch im süddeutschen Raum etablierte sich die sogenannte Wessobrunner Schule als wichtiges Zentrum dieser besonderen Dekorationsart. Im Barock und Rokoko erlebte die Stuckkunst eine neuerliche Blüte, da sie dem zeitgenössischen verspielten Stil sehr entgegenkam. In Deutschland wurden viele Bauten aus der Gründerzeit mit Stuck versehen, bis der Stuck seit den fünfziger Jahren aus der Architektur verschwand. Aufgrund neuer Ästhetikvorstellungen kam es sogar zur sogenannten Fassadenverödung, also der Entfernung von Stuckarbeiten an Wohnhäusern. Dennoch finden sich auch heute noch viele Altbauwohnungen mit Stuckverzierungen und auch die Fassaden deutscher Altstädte zeigen nach wie vor Stuck als wichtiges Dekorationselement.
Stuck wird meist aus mit Kasein versetztem Kalk- oder Gipskalkmörtel hergestellt. Der Zusatz macht den Stuck formbar. Je nach Anwendungsart variiert der Gipsgehalt. So können Stuckmodelle aus reinem Gips gegossen werden oder aber auch ganz auf Gips verzichtet werden, etwa bei Außenfassaden, die dem Wetter ausgesetzt sind. Seit dem 17. Jahrhundert verwendete man oft eine Schicht aus Kalk, Marmormehl und Leim, die dem Stuck einen marmorähnlichen Effekt gab. Auch bei der Modellierung gibt es Unterschiede. So kann bei Gesimsen Stuck mit einem Zughobel in den frischen Mörtel eingezogen werden. Feinere Arbeiten werden hingegen mit Spachteln und anderen Werkzeugen herausmodelliert oder angeworfen. Es ist auch möglich, komplexere Figuren in mehreren Schichten anzuwerfen und anschließend weiter zu modellieren. Waren diese Werke sehr weit ausragend, so fügte man ein Metall- oder Holzskelett zur Stabilisierung hinzu und stattete die Figur mit einem Korpus aus Holzkohle oder Stroh aus, um das Gewicht gering zu halten.
