Tempera
Der Begriff Tempera (lat.: temperare - mäßigen, mischen) bezeichnet Farben, deren Pigmente durch eine Emulsion aus Wasser und Öl oder Leim und Öl gebunden wurden. Man unterscheidet je nach Art des wässrigen Emulsionsanteils ei-, kasein-, stärke- oder wachsbasierte Tempera. In der Kunst finden vor allem Ei- und Kaseintempera Anwendung, die mit Lein-, Mohn-, Walnuss- oder Sonnenblumenöl angemischt werden. Je nach Ölanteil entstehen so fette oder magere Tempera, die sich vor allem bezüglich ihrer Trocknungsdauer und der Schnelligkeit ihrer Pigmentbindung unterscheiden.
Der größte Vorteil ist die langsame Trocknung, die noch sehr lange eine Nachbearbeitung zuläßt sowie ihre Altersbeständigkeit. Im Gegensatz zur Ölfarbe werden Tempera nicht rissig, weil das oxidierende Öl sich in die Hohlräume ausbreiten kann, die das Wasser beim Verdunsten gelassen hat. Insgesamt aber überwiegen die Nachteile. Zunächst einmal ist die Arbeit mit Tempera handwerklich und künstlerisch schwierig, da die Farbtöne sich nach der Trocknung aufgrund des verdunsteten Wassers teils extrem verändern und man nicht nach dem malen kann, was man sieht. Außerdem sind Übergänge nur sehr schwer weich zu malen. Tempura-Arbeiten erfordern erfahrene und höchst fähige Maler. Tempura sind des weiteren zu spröde für flexible Untergründe wie Leinwand und entwickeln unter Umständen hohe Oberflächenspannungen, die den Untergrund verziehen können. Nicht zuletzt verderben sie sehr schnell und werden in der Regel erst kurz vor der Benutzung frisch hergestellt.
Historisch betrachtet existierten Tempera bereits in der Antike, etwa bei Mumienportraits. Erst im Mittelalter setzten sie sich in der Wandmalerei durch, ausgehend von der bulgarischen "Schule von Tarnowo" über othodox geprägte Gegenden bis zur west- und mitteleuropäischen Ikonenmalerei, wo Tempera noch heute Verwendung finden. Im 15. Jahrhundert verlor die Temperamalerei an Bedeutung, als sich immer mehr die Ölfarbenmalerei auf Leinwänden durchsetzte.
Der Begriff Tempera wird im übrigen häufig fälschlicherweise für leimgebundene Farben ohne Ölanteil benutzt. Die richtige Bezeichnung ist hier allerdings "Gouache" (ital.: guazzo - Pfütze).
