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Wachs

Wachs ist nach naturwissenschaftlicher Definition ein Stoff, der bestimmte mechanische und physikalische Eigenschaften aufweist, wobei die chemische Zusammensetzung und die Herkunft der Substanz zunächst zweitrangig sind. Präzise formuliert ist ein Stoff Wachs, wenn er bei einer Temperatur von 20 °C fest, aber formbar ist, eine grobe bis feinkristalline Struktur aufweist und farblich durchscheinend bis opak, aber nicht glasartig ist. Über 40 °C muss ein Wachs ohne Zersetzung schmelzen und wenig oberhalb des Schmelzpunktes leicht flüssig, aber wenig viskos werden sowie eine stark temperaturabhängige Konsistenz und Löslichkeit aufweisen und unter leichtem Druck polierbar sein. Alle Substanzen, die in mehr als einem Punkt hiervon abweichen, sind formell gesehen kein Wachs.
Wachse können sowohl natürlich als auch synthetisch gewonnen werden. Zu den bekanntesten natürlichen Wachsen gehören Bienenwachs, Wollwachs, Zuckerrohrwachs sowie das Wachs der Carnaubapalme. Synthetische Wachse wie etwa Paraffin für Kerzen werden vorrangig aus Erdöl gewonnen, doch auch eine Hydrierung von Soja ist möglich.
Die Bedeutung des Wortes Wachs leitet sich von dem althochdeutschen „wahs“ für „Wabe“ oder „weben“ sowie dem indogermanischen „ueg“ für „weben“ oder „Gewebe“ ab. An der Etymologie zeigt sich die Bedeutung von Wachs als Bau- und Fertigungsmaterial. Bereits in den frühen Hochkulturen spielte Wachs eine wichtige Rolle. Altägyptische Mumien wurden mit Hilfe der Technik der Enkaustik durch Wachsfarben eingefärbt. Aus der altgriechischen Mythologie kennen wir die Sage des Ikarus, der ins Meer stürzt, weil das Wachs, mit dem sein Vater Daedalos ihm Flügel anheftet, schmilzt, als Ikarus der Sonne zu nahe kommt. Im alten Rom dienten Wachstafeln als flexibles Schreibutensil. Auch im europäischen Mittelalter wurde Wachs für vielfältige Zwecke eingesetzt. Siegelwachs diente zum Versiegeln wichtiger Dokumente, das sogenannte „Jungfernwachs“ wurde in Arzneien vermengt und der Handwerksberuf des „Lebzelters“ sorgte für feinste Kerzen. Seit der Renaissance bekam Wachs auch eine steigende Bedeutung als Poliermittel für Möbel. Im 20. Jahrhundert schließlich spielte Wachs eine bedeutende Rolle bei der Fertigung von Tonträgern wie Schellack- oder Schallplatten. Heute finden wir Wachs sowohl in den bereits genannten Anwendungsgebieten, aber auch als Verpackungsmittel, in der Kosmetik, als Reinigungs- und Poliermittel sowie als Trennmittel bei Lebensmitteln.
In der Kunst spielt Wachs vor allem in der Malerei und der Bildnerei eine wichtige Rolle. Die bekanntesten Kunstwerke aus Wachs sind wohl die berühmten Wachsfiguren, die es in den großen Wachsfigurenkabinetten Europas zu bestaunen gibt, etwa dem „Madame Tussauds“ in London.

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